Weg damit!

Posted: 2nd Januar 2013 by juhudo in kreatives schreiben

 

weg damit!

die klage, die banker seien an allem schuld, weg damit. weg mit dem bashing von obama und tiger woods. songs der achtziger («do you really want to hurt me?») – weg damit. weg mit den billigorchideen, vollkornnudeln und leserreportern. die sterblichkeit, das ist wirklich das allerletzte, weg damit. sammelbände und monologe. ehrgeizige mütter auf elternabenden – bloss weg damit. latte macchiato, jahresrückblicke, die farbe lila – alles weg! «hallo» als e-mail-anrede, weg damit, ebenso spam-mails und e-mails an alle – weg, weg, weg! unternehmensberater, die den renditewahn bis in den letzten anständigen winkel tragen, weg mit ihnen. die rede von der «neuen bürgerlichkeit» bei leuten, die gar keinen begriff von der alten haben. auf jeden fall weg: die pubertät und deshalb auch der blog von kai diekmann. schweinegrippe, wirtschaftskrise – beides weg. weg mit allen ewigen ausreden. weg mit dem fernsehen, wenn das nicht geht, dann wenigstens weg mit der gez. enthaarungszwang und schlankheitswahn, weg damit. «notleidende banken» – weg damit, ebenso «spekulationsblasen». weg mit feminismuslarmoyanz («männer wollen eh nur junge dinger»). weg mit rucola-pinienkern-salat. weg mit der bezeichnung «kreative» für menschen, die keine künstler, sondern geschäftsleute sind. gundula gause ist klasse, aber ihre lord-helmchen-frisur muss weg. ebenso alle sinnsuche. weg mit aufsteigern in politik und wirtschaft, die ihr herkunftsmilieu verraten. weg mit twitter, ego nervt einfach. energiesparlampen. weg mit adolf-stasi-raf-so-war-es-wirklich-filmen. trillerpfeifendemos, weg damit. weg mit «tschüss-tschüss», ausserdem «tschüssitschüssi», «tschö» und dem gedehnten «tschühüs». weg mit schröderismen wie «das macht sinn» oder «von daher». torlinienrichter im strafraum, weg mit ihnen. künstliche aromen, sahnefestiger und süssstoff. weg damit. und stefan george? muss eigentlich auch nicht mehr sein. weg mit politisch korrekten kommentaren (von zeit-redakteur/innen) – und den manisch unkorrekten (von giordano bis henkel). der schwarz-gelbe steuersenkungswahn – weg damit. «früher war an der uni alles besser» – unsinn, also weg damit. weg mit dem spd-blues, überhaupt mit dem mitleid für parteien. weg mit den impfgrüblern – entweder man ist jetzt geimpft oder nicht. eines noch: weg mit «yes we can», man muss nicht immer können.

(die zeit, 30.12.2009)